Hallo
Ich habe mir den Thread mal durchgelesen. Ich glaube, man sollte dies mehr mit "hündischen" Augen betrachten.
Jedes Rudel (d.h. ab 2 Tieren) hat eine interne Hierarchie, unabhängig der Rudelzusammensetzung. Wenn ein Hund aus dem Rudel für einige STunden oder 1, 2 Tage heraus genommen wird, ändert sich der bestehenden Hierarchie deswegen nicht sofort, insbesondere dann nicht, wenn die Abwesenheit eines Tieres irgendwann als regelmässig wahrgenommen wird (auch ein Wolfsrudel ist nicht immer zusammen, wenn bspw. "Kundschafter" untrwegs sind, oder einzelne Gruppen ihr Territorium "kontrollieren".
Aber:
- Beim Wiederzusammenkommen werden die Hierarchiestufen wieder neu kommuniziert. Ranghöhere geben den Rangniedrigeren zu verstehen, wie die Ordnung ist. Rangniedrigere mögen allf. mitteilen wollen, dass sie jetzt etwas "aufgestiegen" sein möchten.
- Zudem wird jedesmal, wenn der Hund, der weg war, ins Rudel zurück kommt, "massiv Zeitung gelesen". D.h. der bringt in Bezug auf Gestik, aber insbesondere was Gerüche anbelangt, viele Botschaften mit (wo er war, was er erlebt hat, andere Hundekontakte, Futterinfo etc.), welche alle andern natürlich "abschnuppern" wollen. Dies geht natürlich auch in den Intimberich, was nicht jeder Hund gleich akzeptieren kann/will.
Grundsätzlich wäre es wohl sinnvoll, wenn der Rüde nach dem Wochenende nicht zuhause wieder ins Rudel trifft, sondern - als Vorschlag - wenn Du es so arrangieren kannst, dass Du den Rüden abholst und gleich mit dem ganzen Rudel etwas unternimmst. Denn das "Bestätigen" der Hierarchieposition ist zuhause immer stärker als irgendwo auf neutralem Boden - insbesondere, wenn mit einer Aktivität abgelenkt wird.
wir haben beobachtet, dass wir bei einer in ein fremdes Team "ausgeliehenen" Hündin bei der Reintegration ein gewisses Konfliktpotential hatten. Beim 2. mal sind wir direkt mit den Hunden auf den Trail gegangen, zuhause hatte sich dann alles bereits normalisiert gehabt und es war "wie immer".
Nochwas zum "Rudelchef". Meines Erachtens muss der Mensch zwar über den Hunden stehen, auch in Bezug auf das Sezten von Leitplanken/Regeln, aber er kann nie RUDELchef sein (dafür sind wir viel zu plump, um "hündisch" kommunizieren zu können). D.h. es ist sehr heikel, bei der Reintegration eines Tieres in ein Rudel, als Mensch eine neutrale und nicht zusätzlich störende Haltung einzunehmen. Jede Reaktion des Menschen auf die Kommunikation innerhalb des Rudels, kann die Kräfteverhältnisse im Rudel beeinflussen. Bspw., wenn der Alpha den Beta dieszipliniert und wir eingreifen, weil aus unserer Sicht zu grob, dann schwächen wir den Alpha und verstärken einen potentiellen Hierarchiekonflikt. D.h. ein Eingreifen müsste dann gleichermassen immer für beide zänkende Tiere erfolgen oder aber wir stärken den "Chef", indem wir das untergebene Tier mitdisziplinieren, d.h. die Hierarchie stärken.
Nicht, dass ich damit sagen will, dass dies Dein Problem sei; es ist mehr als Denkanstoss gedacht. Ich stelle einfach desöftern bei Mehrhundehaltern fest, dass diese meist ein grosses "hündisches" Verständnis/Wissen haben, jedoch - insbesondere bei stark rudelorientierten Rassen wie bspw. die Nordischen - das "hündische RUDELdenken" zuwenig vorhanden ist (keine persönliche Kritik, sondern als allgemeine Aussage zu betrachten).
BG Markus