Hi,
als werdender Einsteiger kann ich die Frage natürlich nicht aus Musher-Sicht beantworten, aber in nahezu jeder anderen Hundesportart die ich lehre und betreibe stellt sich die gleiche Frage, egal obs Agility oder Mantrailing, Jagen oder was auch immer ist.
Spätestens wenn ich mit einem Hund leistungsorientiert arbeiten will muss ich mir Gedanken über schonendes, verschleißarmes Training machen, über Aufbauarbeit, Aufwärmen und Belastungsgrenzen. Dabei kann ich mich aber auch nicht auf die Begeisterung meines Hundes als Gradmesser verlassen. Bloss weil mein Hund bei jeder Gelegenheit wie angestochen losrast heißt das nicht, das er auch so lange der Belastung gewachsen ist wie die Begeisterung hält.
Gerade das Hetzen gehört zu den Verhaltensweisen, die selbstbelohnend sind, dh. einem hormonellen System unterliegen. Ursprünglich war das beim Wolf auch sehr sinnvoll so. Das Hetzen dient dem Nahrungserwerb und ist dementsprechend wichtig. Die Beutetiere sind aber nicht so freundlich, ihre Fluchtwege ausschließlich nach den Wünschen des Jägers zu suchen. Man muss also durch Busch und Dornen und auch mal länger laufen als es bequem ist. Der Körper hat dazu ein feines Endorphinsystem, das den Körper schmerzfrei und in Hochstimmung hält, damit man sich nicht so leicht von der Verfolgung abbringen lässt. Wer so etwas in Reinkultur erleben möchte, kann sich mal Jagd- oder Windhunde beim Hetzen angucken. Sonst oft zarte Gemüter rasen die hinter ihrer Beute auch dann her, wenn das halbe Ohr noch im Stacheldraht hängt. Wer so was nicht zu sehen bekommt kann sich auch Balljunkies angucken, da läuft es genau so.
Bei vielen Gebrauchshunderassen ist durch die züchterische Selektion das gewünschte Verhalten in so einer Weise geformt und fixiert worden. Ob es Terrier sind, die sich an einem Igel blutig beißen und nicht ablassen, Malinois, die die Kiefer nicht mehr auseinander kriegen oder Windhunde, die sich beim Anblick eines rennenden Hasen in Extase kreischen, bei allen ist hormonelles Verhalten am Werk. Das Problem dabei ist aber, dass Endorphine körperliche Warnsignale ausschalten, das heißt, das Tier macht weiter, auch wenn es danach Zerrungen, Verstauchungen und selbst größere Blessuren hat. Hier ist unbedingt der Mensch als 'Nutzer' gefragt, die körperliche Belastungsfähigkeit seines Tieres zu kennen und Überforderung zu vermeiden.
In gewisser Weise ist es da mit Hunden, die nicht in einschlägiger Weise 'beknackst' sind, einfacher. Die haben ihr Körpergefühl noch. Ich habe in der Hundeschule oft mit Hunden zu tun, die bei einer Beschäftigungsform erst mal nicht begeistert hurra schreien. Viele Hundebesitzer denken dann schnell, ach der hat ja gar keine Lust dazu. Das ist aber meist gar nicht der Fall. Ein Hund, der bei einer Sache nicht sofort hier, hier schreit kann sich durch einfühlsames Training und echte Anerkennung in der Regel ohne weiteres zu einem begeisterten Sportsfreund entwickeln (selbverständlich innerhalb seiner körperlichen Möglichkeiten). Er wird aber Trainingsfehler und unnötigen Stress stärker anzeigen, als Hunde, die auch ganz allein und trotz widriger Umstände dieses Verhalten entwickeln.
Ich würde daher meinen, bei Hunden, die körperlich gesund genug zu ausdauerndem Laufen sind, spricht nichts gegen ein angemessenes Zugtraining.
Liebe Grüße
Antje