Ich habe mich denn doch mal zu Ende durchgequält und ich kann nur abschließend sagen, es ist fachlich absoluter Mist. Es ist zwar nicht so, dass grundsätzlich alles falsch dran ist, aber die zutreffenden Erkenntnisse, die nicht vom Autor sind, münden in völlig falsche Schlussfolgerungen. Ich habe denn auch mal ein bisschen weiter herumgeforscht und festgestellt, dass man bei diesem System nach drei Monaten als zertifizierter Hundetrainer seinen Abschluss hat (mit Wochenendseminaren, wohlgemerkt, nicht in Vollzeit). Bei seriösen Anbietern hat man da noch nicht mal die Hälfte des Grundstudiums um. Insofern trifft die Analyse selbsternannte Hundegurus die viel Geld für gar keine Leistung verlangen definitiv zu, aber vor allem auf die Verfasser des Machwerks.
Ein paar Beispiele dafür was für ein Quatsch da verbraten wird:
Ballspielen ist kein Spiel (was in den meisten Fällen auch stimmt!) deswegen gibt es kein Spiel? Nicht ein seriöser Verhaltensforscher würde heutzutage die herausragende Bedeutung von Spiel zu leugnen wagen, neben den reichhaltigen Beispielen bei allen Säugetieren ist es mittlerweile auch bei Vögeln und sogar bei Insekten dokumentiert worden. Die Regel ist, je höher die soziale Struktur desto ausgeprägter und länger die Spielphasen. Spielen ist der wichtigste soziale Kitt bei individuellen Beziehungen, aber dazu müsste man natürlich erst mal wissen, was Spiel eigentlich ist und wie es funktioniert. Spiel mit Hunden, wenn man es kann, ist eine hervorragende Möglichkeit, Hunde zu resozialisieren.
Es gibt schlecht geführte Welpengruppen (das ist richtig!) deswegen sind Welpengruppen nicht sinnvoll? Welpengruppen haben nichts mit dem planlosen Zusammenlassen von Welpen zu tun, sind alle Welpen unkompliziert und einander gewachsen, dann funktioniert es zwar sogar dann, aber in allen anderen Fällen muss ein wirklich verhaltenssachkundiger Mensch für die Ausgewogenheit in der Gruppe sorgen. Es gibt da viele Möglichkeiten, das Hereinnehmen geeigneter älterer Hunde usw., aber wer kann nur auf die dämliche Idee kommen, Hunde seien wirklich prinzipiell weniger geeignet, Hunde zu erziehen, als Menschen, die noch nicht einmal Menschen erziehen können und von Hunden noch weniger Ahnung haben?
Strafe ist nicht sinnvoll denn alles was der Hund tut ist artgerecht! Das scheinen Mutterhündinnen komplett anders zu sehen, aber vermutlich müssten sie vor dem Wurf einen Kurs belegen, damit sie wissen, dass alles was ihre Welpen tun richtig ist und sie deswegen keinerlei Grenzen setzen dürfen. Jungrüden müssen natürlich jede Hündin, läufig oder nicht, besteigen und dürfen keinesfalls dafür zurechtgewiesen werden. Die Natur hat keinerlei Ahnung wie Verhaltensentwicklung und Kommunikation funktioniert, das kann man nur nach drei Monaten Trainerausbildung wissen. Selbverständlich ist Strafe nicht an sich sinnvoll, der passende Zusammenhang ist da schon wichtig, aber das ist mit falsch eingesetztem Lob nicht anders. Sicherlich 80% der Leinenaggressionen wurden in den Hund hineingelobt.
Mehr als ein Hund wird da kategorisch abgelehnt, wohl unter anderem deswegen, weil man nicht simultan zwei verdrehte Hälse auf einmal mit Futter vollstopfen kann. Hunde müssen nach diesem System nicht spazieren gehen und brauchen nur 10 min Beschäftigung am Tag, da brauche ich doch wohl speziell in diesem Forum nichts weiter zu zu sagen, oder?
Die Liste an Blödsinn geht leider unendlich weiter, ich hab aber keine Lust, jeden Punkt einzeln durchzuhecheln.
Ich möchte hier niemandem auf die Füße treten, der sich von den vermeintlichen Argumenten angesprochen gefühlt hat, denn die Zielrichtung ist ja konkret Marketing für Leute, die sich damit nicht auskennen, und das kann man diesen Leuten nicht vorwerfen, aber jedem, der sich wirklich mit den Themen auskennt rollen sich bei diesem Quatsch die Fußnägel auf.