Es gibt schon Konstellationen von Weiber- (aber im übrigen bei Jungsrudeln genauso), die nicht passen und in die keine Ruhe hereinkommt. Das ist immer dann der Fall, wenn die Tiere keine klare Rangfolge untereinander festlegen können. Bestes Beispiel sind gleichgeschlechtliche, gleich starke Wurfgeschwister, die man zusammen hält. Der Unterschied in der Persönlichkeit ist da oft so gering, dass sich die Entwicklung zum Erwachsenen bis in blutige Ernstkämpfe entwickelt. Da wird sich irgendwann um jeden noch so kleinen Sch...ß geprügelt. Ein anderes Beispiel ist die Kombination eines unsicheren Alttiers mit einem sehr selbstbewussten Jungtier, auch da ist der Konflikt meist vorprogrammiert. Die dritte häufige Problemkonstellation ist die menschgemachte, in der das Alttier in seinen Erziehungsbestrebungen immer wieder zu Unrecht eingeschränkt wird. Das Alttier nimmt seine Erziehungsbemühungen dann zurück und dem Jungtier fehlt die Anleitung, es hat das Gefühl, führungs- und orientierungslos aufzuwachsen. Diese menschgemachte Problemstellung kann aber meist wieder korrigiert werden.
Läuft die Sozialisierung dagegen normal, ist ein gleichgeschlechtliches Rudel in der Regel harmonischer als ein gemischtes und die Begegnungen mit anderen gleichgeschlechtlichen sozialisierten Tieren sind dann meist völlig unkompliziert. Bei meinen (3 + 3) orientieren sich auch die immer wieder dazu kommenden Pflegehunde fast ausnahmslos an ihren Geschlechtsgenossen und befreunden sich am stärksten mit denen.
Hunde in Pärchenhaltung sind für Mehrhundeeinsteiger meist deswegen beliebt, weil man in der häuslichen Situation viel weniger falsch machen kann. In der Regel hat da auf Dauer (dh. ab der ersten Läufigkeit) praktisch immer die Hündin das Sagen. Für eine gute Sozialisierung fehlt dann aber oft der positive Einfluss des gleichgeschlechtlichen Alttiers, der der Hündin (und auch wieder dem Rüden) beibringt, dass sie nicht alles entscheiden muss. Wenn ich eine Junghundegruppe habe, in der es kriselt, weil mehrere Tiere sich um die Rolle des Anführers kabbeln, nehme ich eins meiner Alttiere (immer das geschlechtlich passende) mit in die Gruppe und schon benehmen sich die Streithennen oder Hähne wieder altersgemäß unbefangen und verspielt, weil sie sehen, dass die Position souveränes Alttier besetzt ist, im übrigen völlig ohne irgendeine Auseinandersetzung mit meinem Hund. Das können allerdings so ohne weiteres nur Hunde, die über die nötige Souveränität und Gelassenheit verfügen (mögen meine beiden Altwauzis noch lange, lange gesund und munter bleiben).
Dominanz ist ein vielgebrauchtes (und viel missbrauchtes) Modewort, was je nach Methode verteufelt oder überglorifiziert wird. Wenn man sich aber die soziale Grundstruktur von Hunden oder Wölfen anschaut, wird deutlicher, was mit Dominanz eigentlich gemeint sein sollte:
Wölfe leben in einer Sippengesellschaft, dh. ein Paar zieht Welpen auf und lebt im Familienverband mit erwachsenen und halberwachsenen Verwandten. Die Welpen wachsen ganz natürlich in eine Souveränität der Älteren hinein, von denen sie lernen, wie sie in der Welt am besten zurecht kommen. Da entsteht Dominanz auf ganz natürlichem Wege, nicht durch Auskämpfen. Wer alt und selbstbewusst genug ist, eine eigene Familie zu gründen wandert eben ab und versucht sein Glück. Die Grundstruktur bei Hunden ist genauso, nur erreichen die meisten Rassen nicht das "Erwachsenenstadium" der Wölfe, in dem sie sich eben nicht mehr beim Rudel halten lassen. Im Übrigen ist aber auch bei der Wolfsforschung beobachtet worden, dass die Familien lange zusammen bleiben, wenn das Futterangebot reicht. Ist das Futterangebot dagegen knapp, wandern die Jungtiere früh und weit.
Die Souveränität der erfahrenen Alttiere ist auch das, was in den von eistee zitierten Trainergrundsätzen steckt. Der Souverän steckt eben nicht voller Selbstzweifel, sondern er trifft seine Entscheidungen mit Überzeugung und das wirkt dann auch entsprechend.
Ich habe mich auf der Seite, wo das Zitat herkommt, noch ein wenig umgesehen und muss sagen, dass es nach nicht allzu vertieftem Umsehen doch eher einer der wenigen Sätze ist, die ich so unkommentiert stehen lassen würde. Die Lerngrundlagen sind missverständlich bis falsch und die Beispiele nicht immer zutreffend, mal davon abgesehen dass es bei Pferden natürlich um eine andere Form der sozialen Organisation geht. Hengste leben durchaus in Junggesellenrudeln ohne sich umzubringen, das hat aber mit der Rolle als Deckhengst bei einer Stutenherde nichts zu tun, da geht es um das Herdenmodell der Inzestvermeidung und genetischen Optimierung, das ist bei Herden halt anders als bei Rudeln. Hier geht es nicht um Rangordnung sondern um einen Konkurrenzkampf, das hat nichts miteinander zu tun.
Auf der Seite wird so manches miteinander vermischt, was nicht wirklich weiter hilft, Vertrauen ist natürlich eine wichtige Voraussetzung für Erziehung, Freundschaft ist es aber nicht. Wenn man voraussetzt, dass innerhalb eines gut funktionierenden Rudels alle Tiere miteinander "befreundet" sind, soll das dann bedeuten, dass es reine Glücksache ist, ob die ranghohen oder die rangniedrigen Tiere die wichtigen Entscheidungen treffen oder sind nur die ranghohen befreundet?
Leckerlis finde ich generell für Erziehung völlig ungeeignet, denn Erziehung hat für den Erziehungsbeauftragten in aller erster Linie etwas mit Grenzen setzen zu tun und die lassen sich nun mal nicht hineinfüttern. An Hunden, die nicht auf Leckerchen ansprechen, geht der Ansatz ohnehin vorbei und bei denen, die gierig sind muss ich als Erziehungsaufgabe ohnehin erst die Frage bearbeiten, wie viel Gier denn erlaubt ist. Das hat aber auch wieder eher weniger mit Leckerchen nach Leckerchen zu tun. Für das Trainieren von Tricks sind Leckerchen gut geeignet, aber das setzt eine solide, sinnvolle Erziehung voraus, sonst hat man nämlich das, was mittlerweile als echtes Problem gerade beim Pferdetrainig auftritt, wie gerade in einem Pferdemagazin berichtet wurde, weil sich Hufschmiede oder Tierärzte mittlerweile immer weniger an Pferde heranwagen, weil die auf eine der beliebten Leckerlikonditionierungen nämlich auf einmal unkontrolliert steigen oder treten, weil man den Trainingspunkt versehentlich berührt hat. Aber mit Zirkuslektionen und positiv bestätigen kann man ja nix verkehrt machen ....
Bevor mich da jemand falsch versteht, Grenzen setzen ohne Leckerli heisst natürlich nicht im Umkehrschluss schreien, reißen, wütend sein sondern schlichtweg klar, souverän und konsequent.