Bei Zecken muss jeder am Besten selbst beurteilen, wie groß der Druck ist. Wer kaum mal mit Zecken zu tun hat, kann am besten auf fast alles verzichten. Wer feststellt, dass seine Hunde im eigenen Garten offenbar immer wieder Zecken aufsammeln, sollte mal seine Bepflanzung checken: Nach meiner Erfahrung sind niedrig hängende Gebüsche mit viel Schattenanteil, also besonders beliebte Sommerruheplätze für unsere Schnuffels, oft wahre hausgemachte Zeckenbrutstätten. Insbesondere Nadelgehölze und Koniferen nach meiner Erfahrung. Wenn man die entsorgt hilft das auch was.
Was die Chemie angeht, ist leider nur wirklich wirksam, was auch entsprechend giftig ist. Exspot ist schon lange als sehr zuverlässiges Mittel bekannt, ist aber auch so weit ich weiß das giftigste Präparat im Handel. Habe ich einen Borreliose-Hund und muss Neuinfektion um alle Fälle vermeiden und habe hohen Zeckendruck ist es trotzdem vermutlich das Mittel der Wahl.
Frontline ohne Zusatzstoffe (also nur Fipronil) war lange ein relativ mildes Mittel mit guter Wirksamkeit gegen Flöhe, die Wirksamkeit gegen Zecken war aber nie überzeugend. Bei manchen wirkte es, bei den meisten nicht. Mittlerweile ist Fipronil aber auch gegen Flöhe nicht mehr zuverlässig, deswegen gibts jetzt Frontline Combo, aber wenn Fipronil nicht mehr wirkt muss ich es eben gar nicht auf den Hund auftragen.
Ich habe mit Scalibor noch immer gute Erfahrungen, es ist auch bei den meisten jagdlich geführten Hunden das Mittel der Wahl.
Die Mehrzahl der chemischen Wirkstoffe kommt aus dem Bereich der Pyrethroide, in natura das Gift der Chrysantheme. Bei den Risiken in der Anwendung gibt es Unterschiede zwischen natürlichen und synthetischen Pyrethroiden. Natürliche bauen sich in relativ kurzer Zeit wieder ab, synthetische reichern sich nach Studien über längere Zeiträume an. Die Wirksamkeit von Pyrethroiden liegt darin, dass es sich um ein Nervengift handelt, das aber, je nach Konzentration, nicht nur für für Insekten schädlich ist. Pyrethroide werden aber auch beispielsweise zur Insektenabwehr in Teppiche eingebracht. Bei mehreren Hunden und anderen Quellen kann da leicht eine wirksame Konzentration mit gesundheitlicher Schädigung erreicht werden.
Einen Gefahrenunterschied zwischen dem Prinzip des Halsbandes und dem der Spotons sehe ich nicht, es ist sicher auch nicht gesundheitsverträglicher, das Gift alle drei bis vier Wochen auf Hundehaut und Hundefell zu verteilen als es durch das Halsband machen zu lassen.
Bei pflanzlichen Alternativen wäre ich vorsichtig. Pflanzlich heißt nicht ungiftig, ganz im Gegenteil. Substanzen die durch ätherische Öle wirken sind kritisch zu betrachten, da ätherische Öle nicht harmlos sind. Bei Holzschutzölen hat man vor einiger Zeit auf organische Lösungsmittel verzichten wollen und im Biogedanken dafür Zitrusterpene verwendet. Wie sich dann herausstellte waren die Zitrusterpene weitaus gesundheitsschädlicher als die vorher verwendeten aromatischen Lösungsmittel. Neben der oft erheblichen Nasenbelastung von ätherischen Ölen bei Hunden kommt es häufig auch zu extremen Hautreizungen. Ich habe mal aus Verzweiflung ein Pferdeshampoo mit einem minimalen Anteil an Teebaumöl (konnte man als Mensch nicht mal riechen) für einen meiner Schäferhunde verwendet. Er hat sich noch Wochen danach gekratzt wie ein Irrer und sah teilweise aus wie in Räude.
Neemöl ist seit ein paar Jahren der biologische Topseller bei Bio-Produkten zur Insektenabwehr, aber auch das würde ich mit Vorsicht betrachten. Neemöl ist nur wenige Stunden wirksam, in einigen Produkten werden aber bereits Stabilisatoren eingesetzt, um die Wirkdauer zu verlängerrn und das ist sicher nicht unbedenklich.
Geht es nur um eine kurzfristige Zeckenabwehr auf einer Tour würde ich Kokosöl oder Kokosfett empfehlen. Ein bisschen auf die Hände und grob über das Fell verteilen. Nach meiner Erfahrung sehr gur wirksam und nach meinem Kenntnisstand praktisch nebenwirkungsfrei. Wirkt etwa zwei bis drei Stunden.