zum besseren Verständnis wäre es günstig, zuerst den anderen Thread "Grundlagen des Barfens" zu inhalieren, dann wird vieles hier klarer.
jetzt wird’s schwierig!
Die ganze Theorie war nicht so das Problem, denn da konnte ich mich an einem selbst gemachten roten Faden lang hangeln, aber jetzt geht’s an die Praxis, da weiß ich weder wie ich anfangen soll noch was euch interessiert und in eurer Hunde-Praxis für euch wichtig ist.
Na gut, ich werd’s mal versuchen.
Also ...
Praktische Barf-Tipps, oder wie Manuela sagte: Barfen konkret:
Immer wieder liest man, dass man zum Barfen Futterpläne bräuchte und viele scheuen sich davor, weil sie meinen, man müsse den ganzen Tag mit Taschenrechner und Nährwert-Bedarfs-Tabelle durch die Küche laufen.
Das ist natürlich ausgemachter Blödsinn.
Man muss sich natürlich nicht wundern, wenn dieser Eindruck entsteht, wenn selbst „Miss Barf“ Swanie Simon in ihren Veröffentlichungen scheibt, man benötige keine Futterpläne und dann ein paar Seiten weiter selbst solche anbietet.
Ich halte es da eher mit meiner persönlichen „Miss Barf“ Dr. med. vet. Vera Biber, die die einzelnen Komponenten für sich erläutert und deren Einsatzmöglichkeiten bei bestimmten Problemen darstellt, wie z. B. das Stevia als natürliches Antibiotikum, und es dann dem Hundefreund selbst überlässt, sich die Sache für ihn praktikabel auszuprobieren.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf die 3 Bücher von Vera Biber verweisen, die wir auf Franks Seite vorgestellt haben und empfehlen:
http://www.sammys-futterschuessel.de/literatur.html
Um einen Hund naturnah zu ernähren, benötigt man ein gewisses Grundverständnis für natürliche Zusammenhänge. Dies sollte selbstverständlich immer da sein, wenn man ein Lebewesen, sei es nun Tier oder Pflanze, in seine Obhut nimmt, denn es ist schließlich auf Gedeih und Verderb seinem Menschen ausgeliefert.
Leider ist es heute Mode geworden, das Denken der Industrie oder ggf. dem TA zu überlassen, was dazu führt, dass Lebewesen massenhaft leiden. Und dabei ist es völlig egal, ob ein Lebewesen sein Leid hörbar artikulieren kann oder nicht. Es ist unsere Pflicht, ein Lebewesen zu beobachten und uns mit seinen Bedürfnissen zu beschäftigen und bei den kleinsten Anzeichen eines Unwohlseins zu reagieren. Aber oft wird so lange ignoriert, bis es zu spät ist. Eine Orchidee z. B. quittiert so etwas mit schnellem Ableben, aber das ist vielen egal, denn sie kostet ja im Baumarkt nur 7 Euro.
Bei Aquarientieren erlebe ich das auch ständig. Ein Fisch für 3 Euro ist eben schnell ersetzt. Ein Trend, der fatal ist und den ich nicht unterstützen möchte. Ich nennen so etwas „Tierverbrauch“. Für qualitativ hochwertige Nachzuchten aus meinem Aquarienkeller muss man auch gutes Geld bezahlen. Wer dann lieber für den halben Preis Immunleichen aus dem Baumarkt haben will, der soll dies tun, ich unterstütze dies nicht.
Glücklicherweise sind Hunde zu teuer um sie einfach mal zu „verbrauchen“, aber der Trend geht auch hier in diese Richtung, nimmt man nur mal die 150-Euro-Welpen vom Autobahnparkplatz.
Gott sei Dank ist es hier bei euch anders, denn Liebhaber einer derart seltenen und schönen wie komplizierten Rasse wie es die Malamuten und anderen Schlittenhunde sind, haben sich in der Regel ihr Verantwortungsbewusstsein bewahrt. Trotzdem möchte ich dieses ansprechen, denn keiner ist vor den allgemeinen negativen Trends völlig sicher. Da kann man sich noch so viel Mühe geben, irgendwie wird man doch beeinflusst.
Ich bin mit Tieren aufgewachsen. Als ich noch ganz klein war, hatte mein Vater schon ein Aquarium, da er selbst 1947 mit der Aquaristik begonnen hatte. Als ich so ca. 6 war, bekam ich ein eigenes, was allerdings später mal für einige Zeit verschwand. 1978 begann ich dann aber allein meinen aquaristischen Weg und habe ihn bis heute nicht unterbrochen, ja ich habe in den letzten 8 Jahren, seit es Internetforen gibt, die Aquaristik „auf der Überholspur“ betrieben. Im Moment ist die Luft etwas raus, bedingt durch meine Arbeit mit den Hunden, durch meine nebenberufliche gewerbliche Arbeit und der Tatsache, dass es in der Aquaristik kaum noch etwas gibt, was ich nicht schon mal gemacht habe oder was mich zumindest nicht so interessiert. Ich muss mir im Moment mächtig ans Popöchen packen, um die Sache nicht zu sehr schleifen zu lassen. Aber ich denke, dass diese Phase auch wieder vorbei geht, habe ich doch erst im Sommer 9 neue Becken aufgestellt, einen Teil, weil ich die Lücken wieder füllen musste, die mein Sohn bei seinem Auszug hinterlassen hatte und zum Teil, weil einige Becken schon sehr alt und marode waren.
Da ich als Kind mit 8 Jahren eine schwere Influenza-Infektion hatte und Jahre lang körperlich kaum leistungsfähig war, waren Bücher meine Welt. Ich habe Fachbücher gelesen wie andere Kinder und Jugendliche Märchen und Romane, zum größten Teil über die Natur, wie z. B. Bücher über Orchideen und Kakteen. Mein Vater hat mir als Kind auch immer eingetrichtert: „Henry, bevor du etwas anfängst, lies erst mal ein Buch darüber!“ Und so habe ich das bis heute gehalten. Zwar fehlt mir heute oft die Zeit zum intensiven Lesen, aber dafür ist mein Grundstock an Wissen und Erfahrungen ja viel größer als damals, und darauf kann ich zurück greifen.
Ich empfinde auch eine große Freude daran, dieses Wissen mit anderen zu teilen. Leider gibt es immer wieder Menschen, die sich davon angepieselt fühlen, sich „belehrt“ fühlen und das nicht mögen, aber zu lernen ist doch keine Schande und einen Lehrer braucht jeder. Ich selbst lerne genau so gern wie ich „lehre“ und habe überhaupt kein Problem damit, zu jemandem zu gehen und ihn zu fragen, ob er mir etwas beibringen könne. So hatte ich z. B. als ich Gerry zu mir holte, nur Wissen in Sachen Ernährung, aber keinen Plan von Hundekommunikation und Training. Also suchte ich mir eine Lehrerin in der Person von Ines Pawlitzki, die Trainerin und Ausbilderin von Therapie- und Behindertenbegleithunden ist und nebenbei noch die Vorsitzende beider Dachverbände (DBTB und DATB). Sie empfahl mir auch einiges an sehr guter Literatur und so kann ich mittlerweile wengistens mitreden und habe einen Hund, der manchmal auch das macht, was ich will :mrgreen:. Im Übrigen ist innerartliche Kommunikation von Hunden ein hoch interessantes Thema und ich beabsichtige mich darin ebenso fit zu machen wie in Sachen Ernährung. das dauert aber noch. Als Gegenleistung für die Ausbildung durch Ines mache ich ihre Internetseite, die allerdings zur Zeit etwas ins Stocken geraten ist, aber das wird noch (www.therapie-hunde.eu).
Übrigens war ich mal Grundschullehrer, arbeite aber seit Ende 1991 nicht mehr in diesem Beruf, aber die Veranlagung ist geblieben *lach*.
Durch die langen Jahre mit Tieren fällt es mir heute sehr leicht, biologische Zusammenhänge zu erfassen, das ist aber leider nicht bei jedem so. ich habe eine sehr gute Freundin, die einen Cavalier King Charles Spaniel und 2 Katzen hat (www.institut-diva.de - die Rothaarige links), und die Tiere sehr liebt, aber sie hat nicht gelernt, in biologischen Zusammenhängen zu denken. Viele Monate hat sie meine „Prügel“ einstecken müssen, bis sie einen Weg gefunden hat, denn es war wichtig, weil der Hund und eine Katze sehr ernste gesundheitliche Probleme haben. Jetzt ist sie auf einem guten Weg und sehr froh über meine Hartnäckigkeit, denn sie musste sehr viel Geld an Tierärzte überweisen.
Meine Einstellung zu Tieren und der Natur allgemein könnt ihr an meinem Signaturspruch ablesen, der kein Zitat ist, sondern mein eigener Satz.
So, jetzt bin ich fürchterlich vom eigentlichen Thema abgekommen, aber das musste mal raus.
Zurück zu den Futterplänen!
Die Futterindustrie benutzt die Angst der Hundehalter vor dem „ich kann als Laie meinem Hund keine vollwertige Nahrung zusammen stellen“ massiv für ihre Werbung und gibt sich den Anschein, als Experte alles in die Fertignahrung zu geben, was der Hund braucht. Heraus kommt eine Mischung von unbrauchbaren, künstlichen und damit kaum bioverfügbaren Materialien, die den Hund zwar am Leben halten, aber nicht gesund. Es reicht eben grad so, den Hundehalter zufrieden zu halten und die Hunderter, die an den TA gehen, werden hingenommen - es ist eben nun mal so dass Hunde krank werden. Nein, ist es nicht! Jeder kranke Hund ist einer zu viel!
Diese von der Futterindustrie benutzte Angst ist aber völlig überflüssig.
Man muss keine tiefgreifenden Kenntnisse über Ernährungsphysiologie haben, um seinen Hund naturnah zu ernähren. Dass wir hier so tief in die Materie eingestiegen sind, entstand aus eurem Wunsch heraus und aus meinem Interesse an einem Versuch, ob man so etwas in einem Forum bewerkstelligen kann. Noch mal mache ich das allerdings nicht, denn es ist höllisch anstrengend und zeitintensiv. Hier bei euch habe ich das aber gern gemacht, war doch auch für mich ein gewisser Trainingseffekt dabei.
Um im normalen „Hundeleben“ zurecht zu kommen, benötigt man nur ein wenig Grundwissen und die Vorstellung davon, was ein Wolf in der Wildnis Europas frisst. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Rehen, Hasen, Fasanen etc. neben mal kleinen Eidechsen und gelegentlich Früchten und natürlich Aas. Von diesem Futter verwertet er den gesamten Körper.
Kein Wolf läuft mit Bedarfstabellen und Futterplänen durch die Gegend, ebenso wenig wie ein junger Wolf mit 2 Jahren in den Nachbarwald umzieht, weil er nun „adult“ ist und die Hasen dort eine andere Nährstoffzusammensetzung haben, und der nächste Umzug mit 10 Jahren ansteht, weil er nun „senior“ ist. Kein Wolf zieht vom Harz in den Thüringer Wald, weil es dort allergenfreie Rehe gibt.
Der Organismus eines Caniden ist so konstruiert, dass er eine Rundum-Versorgung über einen Zeitraum von 4 - 6 Wochen benötigt. Wenn er in diesem Zeitraum alles bekommt, was zu seiner natürlichen Nahrung gehört, dann bleibt er gesund. Nicht jeder Nähr- und Vitalstoff muss täglich zur Verfügung stehen. Bei unserer eigenen Ernährung erstellen wir doch auch keine Bedarfstabellen und Ernährungspläne und bleiben trotzdem gesund, vorausgesetzt wir jagen nicht täglich Tütensuppen und Fast-Food in uns rein. Aber seltsamerweise lassen wir uns von der Futterindustrie einreden, wir müssten dies bei den Hunden tun und wären ohne deren wissenschaftlich zusammengestellten Zeitbomben aus Tüte und Büchse völlig aufgeschmissen. Alles gequirlter Blödsinn!
Es wird sogar mit allerlei Scheinargumenten gearbeitet, von denen ich mal einige in folgendem Text unter die Lupe genommen habe:
http://www.sammys-futterschuessel.de/ar ... arfen.html

letzte Beiträge
, das ist ja richtig viel. Danke und gleich habe ich 2-3 kurze Fragen:



