hab jetzt per zufall den Thread gefunden und mich schnell angemeldet um antworten zu können.
Ich habe eine Hündin aus Russland, jetzt ist sie 19 Monate alt. Du kannst mir gern eine Nachricht schreiben dann kriegst meine E-Mail und ich kann Fragen deiner Bekannten beantworten.
Warum die Wahl auf eine Laika fällt weißt du nicht? Bei mir war fiel die Wahl auf eine YL weil ich mit dem Siberian Husky auch immer im "traditionellen" Hundesport (BgH und Breitensport) aktiv war und der zwar alles brav und fein machte aber mir war der SH einfach zu (böse gesagt, nicht böse gemeint) lahm. Huskies sind keine temperamentvollen, triebigen, lerneifrigen Hunde. Ich wollte einen nordischen Hund, einen charakterstarken, gesunden, sportlichen, nordischen Hund.
So weit so gut, diese Voraussetzungen hat sie erfüllt. Ich kann nur von meiner Hündin sprechen - es ist für mich genau der richtige Hund, dazu muss man sagen, dass ich einiges an Erfahrung mit Hundeausbildung habe, im Bereich Problemhunde, Unterordnung und Breitensport. Was spezifische Schlittenhundtraining angeht tue ich mir selber noch schwerer.
Man muss klar differenzieren, es ist kein Husky. Es ist eine Laika, die kläfft, die beschützt, die jagt, die auf Angriff geht wenn man sie darum bittet :)
Genauer: sie kläfft, aber nicht unkontrolliert. Yakutskaya Lajka heißt ja nix anderes als "Bellendes Ding aus Jakutien". Sie ist ein sehr guter Wachhund, beim nächtlichen Parkspaziergang müsste mir keiner blöd kommen. Sie ist nicht aggressiv, nur würde sie, wenn sie von mir die Aufforderung erhielte, durchaus Aggressionen zeigen. Als sie acht Monate war irrten sich ein paar Betrunkene im Stockwerk und krachten in meine Wohnung (wer denkt auch dran, die Türe abzuschließen wenn man 2 Hunde hat), mein Aufschrei war für den Hund Grund genug, zur Tür zu stürmen und gegen die wieder zugeschlagene, weil von den Betrunkenen gesichtete Bestie ( *g*) zu fliegen. Sie zeigt jedoch keinerlei Territorialisierungsverhalten auf neutralem Boden und schlägt auch nicht grundlos an. Besucher sind erziehungsbedingt auch absolut kein Problem.
Jagdtrieb würde ich stärker einschätzen als beim Siberian Husky, allerdings ist ihr klar, wer die Jagd anführt und dass das nicht sie ist. Sie läuft so gut wie überall frei, ich kann sie auch leinenlos an einem Hühnergehege vorbeiführen, wenn sie im Kommando bleibt. Der von mir unterdrückt/kontrollierte Jagdtrieb muss aber kompensiert werden, ich mache mir ihr Fährtenarbeit, Suche auf Sicht und arbeite an der Kontrolle des Jagdtriebs. Ich will den somit nicht abstellen, der gehört zum Hund, ich lenke nur um und kann somit große Freiheiten zugestehen.
Dies hört sich jetzt alles so negativ an, man muss dazu sagen, ich habe nie ein so folgsames, anhängliches, verschmustes nordisches Hündchen wie sie gesehen, sie ist unauffällig, ruhig im Alltag, sehr sanft mit Kindern und absolut menschenorientiert aber sie ist führertreuer (blödes wort) im Vergleich zu anderen Nordische. Sie hat ihre Handvoll Personen und der Rest kann ihr gestohlen bleiben.
Sie braucht viel Beschäftigung, ist apportierfreudig, lerneifrig und sehr zackig. Was bei diesem Hund etwas mühsam ist, ist das Verhalten wenn man zu viel Druck aufbaut. Das kann aber auch nur an dem Charakter meines Hundes in Kombination mit meinem Charakter liegen.
Bezüglich der Zugarbeit: Nach zwischenzeitigen Problemchen mit dem Zuggeschirr welche wir weitgehend überwunden haben zeigt sie sich sehr arbeitsfreudig, zieht fleißig und macht im reinrassigen SH-Team (keine Rennsibs, eher so gemäßigte Typen, nicht meine, ich hab nur einen SH und eben die Laika) sogar gut Tempo. Bei allem das sie tut, tut sie dies mit sehr viel Eifer und sehr konzentriert.
Ich mache Skijoering mit meinen, wo ich den klaren Unterschied zu meinem alten SH merke, dass sie, in konditionell guter Verfassung eigentlich so lange läuft wie man es von ihr verlangt, sie gehorsamer und konzentrierter ist. Sie hat einen sehr flotten Trab und hält den wirklich lange durch.
Generell kann ich den Vergleich zum SH am besten so erklären: Der Siberian Husky ist ein Hippie, die Jakutin eine KGB-Agentin :)
Ich muss auch dazu sagen, dass ich der Rasse den Bekanntheitsgrad der anderen Laiki wünschen würde, es ist kein einfacher Hund, viele halten meine für einen Husky-Bordercollie-Mix und das würde vom Wesen her eigentlich sehr zutreffen.
Jedenfalls bin ich sehr begeistert von dem Hund, finde aber dass er wirklich nicht zu jedem passt. Genau für meine Ambitionen (Begleitung beim Joggen, Radfahren, Wandern (alles auch Leinenlos), Skijoering, Bikejoering, Unterordnung und Breitensport ohne große sportlichen Ehrgeiz, welchen ich in meinem restlichen Leben mehr als genug ausleben muss) ist es der perfekte Hund.